Teil 3
Es waren mittlerweile drei Tage seit Schandos Flucht von den Docks vergangen. Sein Magen hatte sich bereits mehere male von alleine entleert weshalb es in seinem Unterschlupf doch etwas säuerlich roch. Gewöhnt an den Geruch der vergammelten Fischabfälle die immer überall im Hafen herum lagen störte sich Schando nicht besonders daran.
Ihn plagten in diesem Moment andere Sorgen.
Da er sich nicht viel bewegte war seine Verdauung schon sehr heruntergeschraubt worden, doch nun war es so weit. Er musste mal für kleine Dockarbeiter. In seinem wohl behüteten Versteck wollte er seine Notdurft aber nur ungern verrichten. Er raffte sich also auf und suchte nach einem geeigneten Ort. Sein Füße fühlten sich, vom langen liegen zwischen den Kisten, sehr schwer an.
Er musste auf seiner Suche äußerst vorsichtig seien. Die bunt zusammen gewürfelte Crew unter dem Ehrenmann Kapitän Dr. Otto Zerrwanst war blutrünstig und zu so ziemlich allem bereit.
Nach fast 20 Minuten fand Schando eine kleine Leiter die aus dem Frachtraum in eines der Decks der MS Erkenschwick führte. Es war nicht die gleiche Leiter über die er in den Schiffsbauch gelangt war aber der Druck in seinem Verdauungstrakt war bereits so stark das ihm schon fast egal war wo er sich nun erleichterte.
Er öffnete eine schwere Eisentür und stand nun in einem muffigen Gang der nur von einer kleinen trüben Lampe erhellt wurde.
Über ihm hörte er einen Teil der Besatzung die sich wohl bei einem kleinen Strohtanz vergnügten. Der etwa Zehn Meter lange Gang hatte auf jeder Seite vier Türen und am anderen Ende eine Tür mit Guckloch. Dank seiner jahrelangen Erfahrung im Beladen solcher Kutter wusste unser aller Freund Schando das hinter jeder der Acht Türen ein massiver Panzerschrank stand in dem die Crew Wertsachen und antike Hochglanz-Magazine aufbewahrte. Er ging den Gang bis zum anderen Ende entlang plötzlich stieg ihm der leichte Geruch von Urin und Haferflocken in die Nase. Er musste jetzt ganz in der Nähe der Kombüse sein.
Langsam und ohne einen Laut öffnete er die schwere Stahltür, die in einen weiteren Gang führte. Er blickte sich um, aber es war niemand zu sehen. Mit kleinen Schritte glitt er über den schmutzigen Boden. Überall hingen Spinngeweben und der hellbraune Anstrich verlieh dem ganzen eine widerliche Atmosphäre. Schandos Gedärme meldeten sich wieder zu Wort, die Krämpfe wurden nun stärker und er wusste das er jetzt bald einen passenden Platz finden musste, sonst wurde etwas schreckliches passieren. Endlich fand er eines der wenigen Bordklos.
Auf die Tür war ein stark behaarter Mann mit nur einem Bein und einem Arm gemalt der sich zu allem Überfluss auch noch lasziv in den Schritt griff.
Schnell öffnete unser Held die Tür und schloss sie hinter sich ab. Zeit um die Toilettenbrille mit Papier zu belegen blieb nicht, den wie sagt man so schön: „Der Kopf schaute schon raus“ ... Eine Erleichterung sondergleichen schwappte durch seinen malträtierten Körper und die nächsten 65 Minuten wurden zu den schönsten in seinem noch jungen Leben. Erschöpft von den Strapazen der letzten Stunden senkte sich langsam sein Kopf und er fiel in einen tiefen Schlaf.
Laute Schläge an die WC Tür weckten ihn unsanft auf. „Alter, was machst du da drin?“ War das erste was er in seinem schlaftrunkenen Zustand verstand.
Nun war es also doch passiert. Er saß in der Falle und das blutrünstiges Subjekt vor der Tür würde sicherlich gleich selbige eintreten ... wäre doch nur sein herzensguter Bruder Rando hier, der weiß was man in solchen Situationen zu tun hat...
Teil 4
Schando war eindeutig in einer Situation in der nicht an fleischliche Gelüste denken sollte. Das Pochen an der Tür wurde lauter und der wilde Seemann mit Druck auf‘er Blase weigerte sich strickt die Damentoilette zu benutzen. Am anderen Ende des Raums erblickte Schando plötzlich einen Kasten voller erstklassigem Jamaika-Rum, er wunderte sich das solch erlesene Tropfen auf einer Toilette gelagert wurden, doch dann dachte er so bei sich, dass er sich lieber in eine komatösen Zustand begeben möchte, als sich jetzt gleich von einem verrückten Seebären vierteilen zu lassen. Mit zitternder Hand entkorkte er eine der wunderschönen, alten Flaschen und nahm sich ihr an. Einige Sekunden später stellte er eine Flasche Leergut zurück in den Kasten. Seine Sinne spielten jetzt vollkommen verrückt und er ging mit zielstrebigen Schritten zur Tür. Der Mann vor der Tür haute mittlerweile so fest gegen das marode Material, man könnte glauben er sterbe tausend Tode. Mit einem halb zugekniffenen Auge fixierte Schando den Türknauf. Der Alkohol wirkte schnell. Die Fingerspitzen berührten gerade das kalte, dumpfe Metall, als die Scharniere der Tür mit einem gewaltigen Ruck nachgaben. Die Tür schnellte auf Schando zu und verpasste ihm erst einen brutalen Schlag an die Schulter und dann an die Schläfe. Er fühlte allerdings keinen Schmerz, er fühlte genauer gesagt für die nächste viertel Stunde gar nichts. Alles wurde schlagartig schwarz. Die Schmerzen die ihm bisher erspart geblieben waren kamen aber jetzt als er langsam erwachte auf heftige Weise. Je wacher er wurde um so stärker wurden sie. Als er sich umsah bemerkte er, dass er sich immer noch in dem heruntergekommenen WC des Schiffes befand. Der Brutalo der ihn mit der Tür niedergestreckt hatte, war nicht zu sehen, jedoch hatte er sein persönliches Geschenk, in Form eines widerlichen Gestankes, für Schando hinterlassen. Schando erkläre sich seine Unversehrtheit so, dass die Seemänner sich untereinander so schlecht kannten, dass der Mann, der offensichtlich im Laufe des Tages Spargel gegessen hatte, ihn einfach für ein Crewmitglied gehalten hat. Mit dröhnendem Kopf und 2 pro Mille aber erleichtert in zweierlei Hinsicht begab sich Schando auf den Weg zurück in sein kleines Versteck. Unterwegs hatte er sich vorgenommen noch ein oder zwei Bord-Emus als Abendbrot zu erlegen.
Er schleifte sich also langsam durch die kargen Gänge. Wie in Trance hörte er hinter sich plötzlich ein leises aber eindeutiges Klicken. Jemand hatte der Schlagbolzen eines Revolvers gespannt. Der Kapitän kam von Hinten langsam auf ihn zu und sagte mit einem grässlichen Akzent, "Na wen haben wir denn da? Das ist doch nicht etwa ein blinder Passagier." Ironischer Weise war Schando vor wenigen Momenten tatsächlich auf der rechten Auge erblindet, der Rum muss mit enorm abartigen Mitteln hergestellte worden sein, aber das war jetzt nicht mehr wichtig. Schando war sowieso dem Tode geweiht. Wenn er sich jetzt nicht schnellst möglich einen Plan ausdachte und diesen in die Tat umsetzte sollte dies das schnelle Ende seiner Reise sein.
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